Logo pala verlag Darmstadt

pala-verlag gmbh Darmstadt

Scott Nearing

Scott Nearing

- einer der großen Aussteiger des 20. Jahrhunderts
Scott Nearing kam am 6. August 1883 in einer kleinen Bergarbeiterstadt Pennsylvanias zur Welt. Sein Vater war im Holzhandel tätig und relativ wohlhabend, sein Großvater Direktor der Mine und ungekrönter König der kleinen Stadt – »Zar Nearing von Morris Run«. Der Lebensweg des kleinen Scott schien vorgezeichnet: Mitglied der oberen Klassen des aufstrebenden Amerikas, sei es nun beim Militär, als Jurist oder an anderer Stelle. Nach der High School wählte Scott aber das Studium der Soziologie und der Ökonomie – weniger aussichtsreich, aber immer noch die Eintrittskarte für eine Karriere als geachteter, gut bezahlter Hochschulprofessor.

Es kam alles anders. Im Laufe seiner Studien beschäftigte sich Scott Nearing mit der Verteilung von Kapital, Geld und Einkommen in den Vereinigten Staaten – und hier schlug sein Gewissen. Er fand heraus, dass nach normalen unternehmerischen Kalkulationskriterien ein Arbeiter mit dem Verkauf seiner Arbeitskraft ständig »Verlust« machte und scheute sich nicht, dies öffentlich kund zu tun. Seinen Zorn erweckte besonders die Kinderarbeit in den Bergwerken – und er wurde so mit seinen Aktivitäten in Philadelphia, dem Herzen des Bergwerksstaates Pennsylvania, den wirtschaftlich und politisch Mächtigen zu unbequem.

Es kam, wie es kommen musste – Scott Nearing verlor auf spektakuläre Art und Weise seine Arbeit an der »Wharton School of Economics«, einer renommierten Wirtschaftsfakultät. Noch war es keine Schwierigkeit für ihn, eine andere Professur zu finden – war er doch als Wissenschaftler bekannt, dessen Lehrbücher Standardwerke für die Anfangssemester der Wirtschaftswissenschaften waren.

Doch dann kam der Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg – und seinen Widerstand dagegen konnte ihm auch das progressivere Establishment anderer Hochschulen nicht mehr verzeihen. Der Lehrstuhl wurde gekündigt, seine Bücher aus Schulen, Hochschulen und Bibliotheken verbannt und er selber später wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt, wenn auch von der Jury nach einem aufsehenerregenden Prozess freigesprochen.

1932, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, standen auch der 49jährige Scott Nearing und seine 20 Jahre jüngere Lebensgefährtin Helen vor der Frage, wie sie einerseits ihren Lebensunterhalt verdienen konnten, dabei aber andererseits ihre Ideale nicht aufgeben mussten.

Die Antwort war eine heruntergekommene Farm in Vermont, die die beiden Nearings in mühevoller Arbeit wieder in Schuss brachten. Das Land wurde bebaut, neue Gebäude errichtet, das, was der Garten zum Lebensunterhalt nicht abwarf, vom Ertrag des selbst gemachten Ahornsirups erworben. Doch war die Farm nicht Selbstzweck. Sie diente dazu, den Nearings ihr gutes Leben physisch möglich zu machen.

Vier Stunden am Tag waren dem Broterwerb gewidmet, 4 Stunden den professionellen Aktivitäten (Helen musischen, Scott seinen wissenschaftlichen), der Rest sozialen. Vorträge, Diskussionsrunden, Reisen – möglich gemacht durch einen genügsamen Lebenswandel, vegetarische Ernährung, die Farm in Vermont und – der »Suche nach dem guten Leben«.Scott Nearing starb am 24. August 1983, kurz nach seinem 100. Geburtstag.

Information über Helen Nearing

Bisher erschienene Titel von Scott Nearing im pala-verlag:

- Ein Leben gegen den Strom (vergriffen)

- Ein anderer Weg

- Die Suche nach dem guten Leben (vergriffen)

- Fortführung des guten Lebens (zusammen mit Helen Nearing)

 

 

Ein gutes Leben leben (zusammen mit Helen Nearing)  überarbeitete Neuauflage
                                                                              erscheint im November 2017

 

 

 

 

 

Informationen über das Good Life Center der Nearings in Harborside finden Sie unter
http://www.goodlife.org/(auf Englisch)